...Erstellt am 24.04.2017 by Koji 0 Comment

I am Setsuna (Nintendo Switch)

Heute für Euch gespielt:

I am Setsuna“ aus dem Hause „Nintendo“ und „Square Enix“ vom japanischen Entwicklerstudio Tokyo RPG Factory.

I am Setsuna (Nintendo Switch)

Aufbruch nach Last Lands

I am Setsuna“ möchte eine klassische, nostalgische J-RPG Reise bieten, wie man sie noch aus den Neunzigern her kennen dürfte. Genauso klassisch ist auch die Geschichte angelegt. Das Land wird von einem Übel heimgesucht und die Monsterplage scheint sich nur dadurch lösen zu lassen, indem alle zehn Jahre ein Ritual abgehalten wird. Hierbei soll eine Person geopfert werden, um die Monster zu besänftigen. Diese Zeit ist nun bald gekommen und die junge Setsuna soll das Opfer werden. Als solches ist sie für die Bevölkerung unheimlich wertvoll, weshalb eine ganze Leibwache mit ihr auf Reisen gehen soll. Das Ziel sind die Last Lands und unser Held gerät nach schwierigen, zufälligen Umständen in diese Leibgarde. Er wird also zum Schutz von Setsuna ein großes Abenteuer erleben. Damit inszeniert das Spiel keine außergewöhnliche Ausgangssituation, sehr wohl aber eine klassische mit nostalgischen Tönen, welche die Art von Oldschool J-RPGs gerecht wird. Wer Fan derlei Spiele und Aufmachungen ist, der wird sich schnell einfinden und Spaß haben können. Doch ist dieses Ritual, das Opfern von Menschen wirklich die Lösung?

Das obligatorische Opfer

I am Setsuna“ erinnert in vielen Belangen an ältere Final Fantasy Titel und auch die Handlung nutzt einige Anleihen daraus. Wer ein großes Herz für solche Spiele besitzt, der könnte hiermit etwas für sich finden. Das Rollenspiel geht über jeden Zweifel in Richtung Nostalgie und möchte mit seiner Art Spieler begeistern, die mit Final Fantasy und Co aus den Neunzigern ihren Spaß hatten. Der Einstieg vermittelt damit schon wohlige Gefühle, denn die audiovisuelle Präsentation ist charmant und erinnert sofort an die Zeiten von früher. In Kombination mit dem erzählerischen Anfang ist die Grundvoraussetzung für ein nostalgisches Abenteuer wunderbar gegeben. Die Handlung ist natürlich nicht neu, weckt aber genug Interesse, um uns für den Moment zu fesseln. Schließlich benötigt ein J-RPG auch erst einmal Zeit, bis es bezüglich der Handlung sowie seiner Figuren in Fahrt kommt. Dank einer hübschen Winterlandschaft und angenehm, melancholischen Klängen fühlt man sich schnell wohl und die Erwartungen auf ein tolles Abenteuer sind damit geschaffen.

I am Setsuna (Nintendo Switch)

Man darf sich auf eine klassische Handlung einstellen, die auch in ihrer Struktur auf bekannten Wegen schreitet. Dies ist aber nicht schlimm, vielmehr möchte „I am Setsuna“ diesen Weg ja auch gehen. Es möchte uns eine nostalgische Erfahrung liefern, die für ein schönes Bauchgefühl sorgen sollen. Als solches kann man sich auf einige Überraschungen freuen, die bekannte Emotionen auslösen können. Zwar bleibt „I am Setsuna“ auf weiten Strecken ruhig, doch es gibt diese erzählerischen Höhepunkte, die uns mitnehmen können. Die Herausforderung ist es, dass man erst einmal überhaupt so weit kommt. Einige Entwicklungen verlaufen zwar vorhersehbar, schmälern den ordentlichen Plot aber nicht, weshalb die Geschichte zu den Stärken des Spiels gezählt werden darf. Hierbei bleibt das Spiel in seinen klassischen Wurzeln aber so verharrt, dass über die Gestik und Mimik wenig erzählt wird, was schade ist. Trotz der bewusst klassisch ausgelegten Elemente, wäre in dieser Richtung mehr möglich gewesen. Schließlich erscheint „I am Setsuna“ heute und muss sich dahingehend auch messen lassen. Die Einbindung klassischer Spielelemente und Nostalgiefaktoren kann und darf gerne mit eigenen Ideen oder zeitgemäßeren Mechaniken verbunden werden.

Damit würde das Spiel an größerem Charakter gewinnen, weil „I am Setsuna“ in seiner Gesamtheit zu bekannt und zu vertraut wirkt, in vielen Belangen aber nie mit den Vorbildern mithalten kann. Dies gilt für die ordentliche Geschichte, für die Charaktere, die Darstellungen von Emotionen, für das Design, für die Abwechslung und auch für das Kampfsystem sowie die Entwicklung der Party. In diesen so wichtigen Säulen versäumt es das Spiel entweder eigene Akzente zu setzen oder an die Vorbilder heranzureichen. Das Kampfsystem versteht sich natürlich als rundenbasiertes System, dass hier Active Time Battle genannt wird, was etwas mehr Dynamik zu versprechen scheint. Im Kern ist das Kämpfen aber nicht so schnell, wie man vermutet, vielmehr können Aktionen wie das Heilen oder Angreifen nur ausgeführt werden, wenn die Aktionsleisten der jeweiligen Kämpfer gefüllt ist. Nichtsdestotrotz beinhaltet das Kämpfen auch dank der Kombinationsattacken einige taktische Möglichkeiten, die Spaß machen. Der Grundriss ist absolut ordentlich, aber die Notwendigkeit solcher taktischen Kniffe ist in vielen Kämpfen nicht gegeben.

Eine Vielzahl an Gegnern zeigt sich nämlich gerne als Kanonenfutter. Bedeutet also, dass wir ohne großes Zutun, Taktik oder Überlegung gewinnen werden. Die Feinde werden einfach zu schnell besiegt und das macht die Kämpfe auf Dauer zu einem eher anspruchslosen Unterfangen. Außerdem ist die Vielzahl an Tierwesen nicht gerade kreativ gestaltet worden. Für ein entspanntes Abenteuer taugt „I am Setsuna“ sehr gut. Schließlich wird das Ganze auch wunderbar mit dem Soundtrack verbunden, aber wer nach einigen Herausforderungen bzw. nach spielerischem Anspruch sucht, der wird sich auf Dauer etwas langweilen oder den meisten Kämpfen vielleicht sogar aus dem Weg gehen. Das Kämpfen gegen die zumeist wenig kreativ gestalteten Biester ist auf Dauer zu entspannt. Es fehlt an Feuer, an Herausforderung und Abwechslung. In vielen Fällen ist es zu einfach, was für Rollenspieleinsteiger ideal ist, aber „I am Setsuna“ möchte ja vor allem die Veteranen mit Nostalgiefaktor mit ins Boot holen. Das Ausweichen einiger Kämpfe ist dann auch deshalb nicht schlimm, weil das Spiel genug Erfahrungspunkte, Geld und Items ausschüttet, sodass man ein sehr angenehmes Abenteuer genießen kann. Allein einige Bossgegner fordern von uns Taktik und besseres Vorgehen. Hier kann sich das Kampfsystem von seinen guten Seiten zeigen, was auch wirklich gut funktioniert. Umso ernüchternder, dass dies nicht über das ganze Abenteuer funktioniert.

Wie bereits erwähnt besitzt „I am Setsuna“ einen charmanten Stil, der das Klassische und Nostalgische gut zu vermitteln weiß. Die Anfangsstunden werden damit auch zu einem audiovisuellen Erlebnis. Es macht einfach Spaß durch diese Winterlandschaften zu laufen, während der Schnee fällt und der Mond wunderbar scheint. Doch auch hier hat man sich an vielen Dingen sattgesehen, wenn das Abenteuer voranschreitet. Höhlen, Dungeons, Städte oder Innenräume gleichen sich immer mehr und man findet immer wieder ähnliche Designs vor, manchmal sogar eins zu eins kopiert, was wirklich schade ist. Denn der Soundtrack vermittelt mit seinen melancholischen Klängen ein wohliges Gefühl, welches perfekt zum Spiel passt. Die Spielwelt als solches bietet uns hingegen nicht viel. Es gibt wenig Interaktion, wenige Erkundungsreize und im Endeffekt auch nur wenig interessante NPCs, weshalb die Gespräche in vielen Fällen nach selbigem Muster ablaufen, uns aber keinen Mehrwert bieten können.

Für die Veteranen mit Hang zur Nostalgie

I am Setsuna“ wird vielen Spielern, die klassische J-RPGs nicht kennen, in der Gesamtheit wahrscheinlich nicht überzeugen. Dafür ist das Abenteuer in seiner Ausrichtung zu einfach ausgelegt, die optische Präsentation zu einfach gehalten und die fehlende Synchronisation wohl als Defizit ausgelegt. Hinzu kommen nur englische Texte zum Einsatz. Dieses Rollenspielpaket ist in seiner Form absolut klassisch und für einige Spieler mit Sicherheit nicht zeitgemäß. Selbst für Nostalgieliebhaber oder als Freund solcher Rollenspiele der alten Schule, ist „I am Setsuna“ in einigen Bereichen zu rückständig. Sehr wohl kann man bei diesem Abenteuer Spaß haben, wenn man einen Hang zu solchen J-RPGs hat, die uns zweifelsohne an ältere Final Fantasy Teile erinnern wird. Die Handlung fängt interessant an, flacht dann etwas ab, nur um dann hier und dort spannende Überraschungen zu bieten.

Das geht wirklich in Ordnung und auch das Kampfsystem bietet einige taktische Kniffe, während der Soundtrack für die passende Atmosphäre sorgt. Leider reicht es aus einigen Gründen nicht zum Rollenspielhit. Kämpfen ist natürlich eine Kernessenz des Spiels und als Solches leider zu einfach gehalten, als das man die taktischen Möglichkeiten überhaupt nutzen müsste. Daher nutzt sich das Gameplay stark ab und glänzt nur dann bei manchen Bosskämpfen. Diesen Anspruch hätte man sich über das gesamte Spiel gewünscht gehabt. Auch die ähnlichen Umgebungsdesigns oder sinnfreien NPCs können der Welt nicht die nötige Lebendigkeit verleihen. Hardcore Fans können zugreifen, während alle anderen besser auf einen Sale warten sollten. 

Hier noch ein Trailer zum Spiel:

Sayonara to dewa mata.

Koji (2014)

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Euer

Koji

 

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Vielen Dank an Nintendo für die Überlassung eines Download-Vouchers.

Nintendo

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